Rückblick über die vergangenen 40 Jahre

Verfasst von Erich Schneider und Wolfgang Dörr

 In einem der schönsten und natürlichsten Täler der Kemeler Heide, im alten Wispertal im Untertaunus, wurde das Flurbereinigungsverfahren der Gemarkung Wisper eingeleitet.

 

Da die Landwirtschaft in diesem Raum rückläufige Tendenzen aufwies  und die Struktur mehr und mehr dem Fremdenverkehr dienen sollte, kam der Gedanke zur Bildung eines Schwerpunktes auf. Eine Wasserfläche sollte geschaffen werden.

 

Damit die evtl. entstehende Wasserfläche nicht einseitig, sondern von der Allgemeinheit genutzt werden konnte, schlossen sich am 21. Juli 1974 in der Gaststätte „Hexenmühle“ des Ortsteils Wisper 24 Bürger der Gemeinde Heidenrod zu einem Angelsportverein zusammen.

 

Als Name für den Verein standen 2 Vorschläge zur Auswahl:

 

1.       Fischergemeinschaft – Naherholungspark – „Wisper“ e. V.

 

2.       Fischergemeinschaft – Naherholungspark – „Alte Wisper“

 

Zuerst entschied man sich für Version 2. Im Verlauf der Diskussion entstand dann die bis heute gültige Bezeichnung Sportfischervereinigung  „Alte Wisper“ e. V.

 

In der Satzung, welche am 8. November 1974 rechtskräftig wurde, wurde die Zahl der aktiven Mitglieder vorerst auf 25 begrenzt, stand ein eigenes Fischwasser doch noch nicht zur Verfügung.

 

Aus dem Namen der Vereinigung entstand das Vereinsemblem, das überall Verwendung fand (Stempel, Briefbögen usw.).

 

Plötzlich bot sich die Gelegenheit in Weidenbach den Privatteich unseres Ehrenmietgliedes Karl-Heiz Schneider am Wochenende zum Angeln zu erhalten. Ein sehr reges Vereinsleben setzte ein und man verlebte unzählige schöne Stunden am Gewässer in Weidenbach.

 

Sportfischerprüfungen wurden abgehalten, Preisangeln veranstaltet, eine Jugendgruppe gegründet und Hochseeangelfahrten durchgeführt.

 

Natürlich stand im Hintergrund immer die Anpachtung des Wispersees nach dessen Fertigstellung. Zum ersten Mal wurden am 16.07.1976 die vorliegenden Pachtbedingungen heftig diskutiert. Am 21.05.1977 war es dann soweit. Der Wispersee wurde eingeweiht. Kurz vorher kam es auch zum Vertragsabschluss für die Anpachtung des Wispersees durch den Verein. Damit hatte der Verein ein eigenes Gewässer.Fischereiaufseher wurden bestellt.

 

Heftige Diskussionen über den Wispersee entstanden. Sogar Bürgerinitiativen wurden gegründet. Erst ging es um die Uferbepflanzung, welche beim Bau teilweise bzw. ganz vernichtet wurde. Später dann um die Zufahrtsregelung, die durch den starken Besucherandrang für die Bewohner des Ortsteils Wisper zur echten Belästigung wurde.

 

Mehrere Pächter der Gaststätte „Zum Wispersee“ versuchten ihr Glück in der Bewirtung der Wisperhütte, scheiterten jedoch alle.

 

Der Wispersee stellte sich - zwar immer noch nicht zur Befriedigung aller – als ein landschaftlich herrliches Idyll dar. Die Sportfischvereinigung „Alte Wisper“ e. V. hatte dazu entscheidend beigetragen. Nicht das Angeln, sondern die Pflege der Anlage und der Naturschutz standen und stehen heute noch im Vordergrund. Dies ist in der Satzung so verankert. Das Angeln und damit das Fangen von Fischen ist der Lohn und Ausgleich für die unzähligen geleisteten Arbeitsstunden der Mitglieder.

 

Im Laufe der Jahre wurden noch so einige Projekte realisiert. Die Verlandung im Bereich des Einlaufs wurde beseitigt und ein Feuchtgebiet für Amphibien und seltene Sumpf- bzw. Wasserpflanzen wurde angelegt. Hier hatten das Forstamt Bad Schwalbach, sowie der Heidenroder Bürgermeister ihre Unterstützung signalisiert und entscheidend zur Realisierung beigetragen. Dank gebührt den Organen der Gemeinde Heidenrod und dem Forstamt Bad Schwalbach für ihre tatkräftige Unterstützung und ihr Verständnis für die Belange des Vereins.

 

Bis hier wurden zehn Jahre der Vereinsgeschichte erzählt, seitdem hat sich aber noch so einiges verändert. Die Hütte, in der sich viele Gastronomen versuchten, wird seit vielen Jahren nur noch vom Angelverein zu Vereinszwecken genutzt und unterhalten. Viele Vereinsmitglieder setzen sich, sofern die Hütte geöffnet ist, nach dem Angeln gemütlich in und an der Hütte zusammen.

 

Am Samstag den 19. Juni 1999 wurde nach einem vorausgegangenen Hegefischen im Kreise des Vereins das 25. Jährige Bestehen gefeiert. Bei der Begrüßungsansprache ging der 1. Vorsitzende Erich Schneider auf die Gründung und die Ziele des Vereins ein. Bürgermeister Flach, Forstbeirat Küthe vom Forstamt Bad Schwalbach, der Kreisfischereiberater Erich Mirsch und der 1. Vorsitzende des Nachbarvereins „Einrich Aar“ Peter Lifka würdigten in ihren Ansprachen die Verdienste des Vereins um die Sauberhaltung der Gewässer und den Erhalt der Natur. Die Forellenzucht Flach aus Lorch/Rhein überreichte dem 1. Vorsitzenden einen Teller mit Gravur, da alle Besatzfische bis dahin aus ihrer Forellenzucht stammten. Dies ist auch heute noch so. Zwischenzeitlich wurde der Betrieb von Herrn Seitz übernommen. Seit drei Jahren beziehen wir unseren Herbstbesatz aus Karpfen, Weißfischen und Schleien jedoch von einer Fischzucht im Westerwald. Der Präsident und heutige Ehrenpräsident des Verbandes Hessischer Fischer Niklas Hafenrichter nahm zahlreiche Ehrungen vor. Alle Gründungsmitglieder, sowie einige, die zehn Jahre dem Verein angehörten, wurden geehrt. Sieht man sich heute die Bilder vom 25 jährigen Jubiläum an, fehlen in unseren Reihen viele verdiente Mitglieder, die in den Anfangsjahren des Vereins vieles geleistet haben. Stellvertretend für alle verstorbenen Mitglieder möchte ich unsere Ehrenmitglieder Maria Neumann und Paul Mc Collum aus Laufenselden erwähnen.

 

Auch nach 25 Jahren Vereinsgeschichte gibt es immer wieder neue Herausforderungen und Probleme, die bewältigt werden müssen.

 

Ein großes Problem ist die Verlandung des Sees. Bei starken Regenfällen führt die Wisper Hochwasser und dabei wird viel Feinsubstrat in den oberen Bereich des Wispersees gespült. Deswegen musste der Einlauf bereits dreimal ausgebaggert werden. Dies war jeweils mit enormen Kosten verbunden. Das letzte Mal im Winterhalbjahr 2002/2003.

 

Um diesen wiederkehrenden Kostenaufwand zu minimieren, entschloss man sich vor 25 Jahren zum Bau eines Vorstaubeckens. Hier wird nun der Wasserfluss verlangsamt und das Feinsubstrat setzt sich vor dem Einlauf in den See ab. Dieses Vorstaubecken wird alle zwei Jahre ausgebaggert. Hierdurch kann verhindert werden, dass ein großer Teil des angeschwemmten Materials unmittelbar in den See gelangt.

 

Der See musste im Herbst 2002 auf Anweisung der Unteren Wasserbehörde ganz abgelassen werden. Es sollte eine Tauchwand in den Mönch eingebaut werden. Aus diesem Grund, mussten alle Fische bei einem befreundeten Teichbesitzer untergebracht werden. Es waren auch einige Hechte dabei, die aber zu kleinen Preisen an die Mitglieder abgegeben wurden. Für Hechte ist der Wispersee mit seinen 1,4 Hektar nicht geeignet. Er ist für einen solchen Raubfisch nicht groß genug. Forellen sind ein teures Hechtfutter!

 

Um die Jahreswende 2002/2003 gab es ganz ergiebige Regenfälle. Der alte Bachlauf wurde wieder sichtbar und das ganze angeschwemmte Feinsubstrat floss in die Wisper ab. Deswegen musste sich der Verein mehrfach mit der Oberen Fischereibehörde in Darmstadt auseinandersetzen. Entgegen unserer Meinung war die Obere Fischereibehörde der Auffassung, dass das eingeschwemmte Feinsubstrat sich negativ auf den Lachsbesatz in der unteren Wisper auswirkte.

 

Kaum war der Wispersee wieder angestaut, ordnete die Fischereibehörde erstaunlicher Weise an, dass die Tauchwand wieder entfernt werden muss.

 

Einige jährlich wiederkehrende Veranstaltungen prägen das Vereinsleben der Sportfischervereinigung „Alte Wisper“ e.V. Diese sind das Anangeln, die Maiwanderung, das Forellen- und Friedfischangeln, sowie zum Abschluss das Abangeln.

 

Das Anangeln findet unter Beteiligung von Gastanglern immer Anfang April statt. Zusammen mit Gastanglern wird hier die neue Angelsession eröffnet. Bei der Maiwanderung am ersten Mai ist immer ein Dorfgemeinschaftshaus mit Spielplatz ein Wegepunkt. So kommen auch die kleinen Nachwuchsangler auf ihre Kosten. Bei dem Forellenangeln Mitte Mai freuen wir uns immer auf die Beteiligung von Gastanglern. Beim Friedfischangeln/Hegefischen mit anschließendem Sonnenwendfeuer steht die Geselligkeit von den Vereinsmitgliedern im Vordergrund. Anfang November wird beim Abangeln die Angelsession beendet. Für die Gastangler ist dies die letzte Gelegenheit ihre Fangstatistik am Wispersee für das entsprechende Jahr aufzubessern.

 

Für Gastangler gibt es Tageskarten an der Tankstelle Sponsel in Kemel, beim 1. Vorsitzenden und nur an Sonn- und Feiertagen auch in der Wisperhütte zu kaufen , allerdings nur bis 13:00 Uhr.

 

Die Sportfischervereinigung „Alte Wisper“ e.V. veranstaltet jährlich im Wechsel eine Weihnachtsfeier oder ein Tagesausflug. Diese Veranstaltungen werden von den Mitgliedern gut angenommen, was für das gute Vereinsklima spricht.

 

Das Vereinsleben eines Fischereivereins läuft in der Regel ohne große öffentliche Veranstaltungen und ohne große Zuschauerkulisse ab. Der Angler übt seine Aktivitäten meist zu Zeiten aus, zu denen noch keine Zuschauer zu erwarten sind. Doch gelegentlich bleiben Spaziergänger stehen und schauen dem Treiben des Anglers interessiert, manchmal auch mitleidig zu.

 

Aber nicht nur als Angler sind die Mitglieder aktiv. Sie sind auch durch die Gewässerpflege und Sauberhaltung der Uferbereiche als Natur- und Umweltschützer tätig. Wir haben für die aktiven Mitglieder jeden 1. und 3. Samstag im Monat Arbeitsstunden angesetzt, von denen jährlich eine feste Anzahl geleistet werden muss. Zu bestimmten Terminen finden auch ganztägige Arbeitseinsätze statt. Im Wege der Arbeitsstunden wird dafür gesorgt, dass die Seeanlage in einem ordentlichen Zustand ist. So werden Geländer, Stege und Brückenteile gewartet und erneuert. Rasen und Wiesen gemäht, sowie Bäume und Büsche gestutzt.

 

Leider müssen auch immer wieder Vandalismusschäden beseitigt und allerlei Hinterlassenschaften entsorgt werden. Es ist schon erstaunlich, was an diesen Tagen alles zusammengetragen wird und was in der Natur einfach illegal und rücksichtslos entsorgt wird.

 

Zurzeit besteht die Sportfischervereinigung aus 55 Mitgliedern. Davon sind 43 aktive Mitglieder, 3 jugendliche Mitglieder, 5 passive Mitglieder und 4 Ehrenmitglieder. Der Mitgliederstand wird unter Berücksichtigung der Größe des Sees bewusst klein gehalten. Eine größere Zahl von Anglern würde der See nicht vertragen. Wie schon im Grußwort erwähnt, wäre es gut, wenn noch einige jugendliche den Weg zu uns finden würden. Aufgrund der staatlichen Fischereiprüfung und des Fischereischeins haben sich die Bedingungen für eine aktive Mitgliedschaft erschwert. Trotzdem hoffen wir auf einen gesicherten Fortbestand und eine gute Zukunft für die Angelfischerei und die Sportfischervereinigung „Alte Wisper“ e.V.

 

Petri Heil

 

Zurück zur Vereinsseite